Debüt-Album von Floating Points


»Ealina« – sechs Tracks, die es in sich haben

Kultur


30. Dezember 2015

Der Londoner DJ Floating Points hat sich reichlich Zeit mit seinem ersten Album gelassen. Fast sechs Jahre hat Sam Sheperd an »Ealina« gearbeitet. Dass er in dieser Zeit seinen Doktor in Neurowissenschaften erworben hat, ist aber nur die halbe Erklärung für die lange Entstehungszeit – Sheperd will es eben genau wissen.

Ihm Detailverliebtheit zu unterstellen, liegt nahe, greift aber zu kurz, wenn man erklären möchte, wie der Musiker die feingliedrigen Arrangements auf »Eliana« zu dem nun vorliegenden stark verdichteten Endwerk zusammengefügt hat.

Erstmals um 2009 unter der Pseudonym Floatings Points in der Londoner Clublandschaft aufgetaucht, hat Sam Sheperd schnell klarmachen können, was den Kern seiner Musik ausmacht: »Soul«. Den findet er mal im Hip Hop, mal im angejazzten Krautrock oder in minimaler Elektronik. Finden tut er ihn aber immer. Und damit entzieht sich »Ealina« bewusst und völlig zu Recht den gängigen Einordungsversuchen.

Während der fluffige Opener »Nespole« ganz ohne Bass Drum scheinbar den Weg zur housigen Abfahrt ebnet und dabei ein wenig an den frühen Nathan Fake erinnert, nimmt der Titeltrack »Ealina« erst mal wieder den Fuß vom Gas. Der Track wabert mit über sieben Minuten Länge phasenweise etwas zu langatmig vor sich hin, legt aber gerade in seinem abgespeckten Arrangement einen beeindruckenden Soundteppich aus.

Dann zieht Sheperd den Sack langsam zu. »Argenté« und »Thin Air« schließen wunderbar aneinander an. Man merkt, dass hier jeder Regler an der API 1608 Console mit Bedacht und Maß gedreht wurde.

»For Marmish« kommt mit einem warmen Jazz Riff um die Ecke und spielt gekonnt um die treibende Hi-Hat herum. »Peroration Six« schließlich geht mit einem fantastisch gemixten Schlagzeug nach vorn – Radioheads »Kid A« streckt hier hörbar die Fühler aus. Und das war es auch »schon«. Gerade wenn man denkt, jetzt kann es richtig losgehen, bricht der Track und damit das Album ab. Ein starkes  Ende, bei dem man alles andere als enttäuscht ist und auf jeden Fall noch mehr Lust auf weitere Floating Points bekommt.

»Ealina«, das sind sechs Tracks, die sich bei jedem Hören mehr ineinanderfügen und damit dem Album einen gelungenen Überbau geben: »Soul« im besten Sinne.

 

Text: Ferdinand Brehm
Foto: Luke Chesser

 

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